SchneiderNoerig hat geschrieben:...mal langsam. Was war mit Otto Distel...?°
Ja, was war mit Otto Diestel?
Schneider, es ist arrogant Onkel Franz vom heutigen Standpunkt aus für eine Tat zu verurteilen, die, wenn sie denn stattfand, unter Bedingungen passierte die wir uns heute auch nicht mal annähernd vorstellen konnten.
Rekapitulieren wir mal: An der Ostfront versucht eine Armee verzweifelt die Front gegen einen übermächtigen Gegner zu halten. Nachschub an Lebensmitteln und Munition ist spärlich, die Kälte ist Tag und Nacht unerbittlich.
Das Einzige auf das man sich verlassen kann ist die Kameradschaft. Wer in dieser Situation desertiert verrät nicht nur sein Land, er verrät vor allem auch die Kameraden. Für Deserteure kannten die Soldaten damals nur eine Strafe.
Und komme mir jetzt bitte nicht mit "Nazis" und "Hitler-Regime" usw.
Meinst Du die Soldaten an der Front hatten Muße sich über so was Gedanken zu machen? Man konnte vielleicht auf dem Standpunkt stehen daß der Krieg unrecht oder unnötig war. Das half aber nicht wenn man nun einmal an der Front lag. Da ging es um das konkrete Überleben. Nicht nur das der eigenen Person. Die Soldaten im Osten waren überzeugt davon daß von ihrem Durchhalten auch das Leben ihrer Familien in der Heimat abhing. Und so ganz unrecht hatten sie ja nicht mal wenn man sich ansieht was die Rotarmisten später in den deutschen Ostgebieten veranstalteten.
Ich kann eine Handlung wie die von Onkel Franz durchaus verstehen (verstehen heißt nicht billigen). So wie ich auch verstehen kann wenn die Bevölkerung notgelandete Bomberbesatzungen gelyncht hat, um mal nur ein Beispiel zu nennen. Oder würdest Du, Schneider, nachdem gerade Verwandte und Freunde von Dir im Bombenterror starben so einem Bomberpiloten freundlich und mitfühlend gegenübertreten? Sei einfach mal ehrlich.
Wir haben jetzt, 60 Jahre nach Kriegsende, gut reden. Aber vielleicht sollte man sich auch mal bemühen Dinge die passierten im jeweiligen Kontext zu sehen.