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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 10.04.2012, 21:11 
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MünchnerBua hat geschrieben:
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Die Schatzalp am Hang über Davos, einst Sanatorium, heute Hotel, diente Thomas Mann als Vorlage für seinen Roman.

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Verfasst: 10.04.2012, 21:11 


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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 16.04.2012, 19:52 
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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 20.04.2012, 12:34 
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Cadine war mit ihren sechzehn Jahren ein verwildertes Mädchen, eine schwarze Pflasterzigeunerin, sehr naschhaft und sehr sinnlich. Mit achtzehn Jahren hatte Marjolin die jünglingshafte, bereits bauchige Stämmigkeit eines kräftigen Mannes, keinerlei Verstand und lebte wie ein Tier durch die Sinne. Oft schlief sie gar nicht zu Hause, um die Nacht mit ihm im Geflügelkeller zu verbringen; am nächsten Morgen lachte sie Mutter Chantemesse frech ins Gesicht und rettete sich vor dem Besen, mit dem die Alte blindlings drauflosschlug, ohne die Nichtsnutzige zu treffen, die sich mit seltener Unverschämtheit über sie lustig machte und sagte, sie sei aufgeblieben, um zu sehen, »ob dem Mond Hörner wachsen«. Er trieb sich herum; in Nächten, in denen ihn Cadine allein ließ, blieb er bei den diensthabenden Wächtern in den Hallen. Er schlief auf Säcken, auf Kisten, hinten im ersten besten Winkel. Sie brachten es beide dahin, die Hallen überhaupt nicht mehr zu verlassen. Sie waren ihr Vogelhaus, ihr Stall, die riesige Krippe, wo sie auf einem unermeßlichen Bett von Fleisch, Butter und Gemüse schliefen, sich liebten und lebten.

[Émile Zola: Der Bauch von Paris. Emile Zola: Die Rougon-Macquart, S. 1703
(vgl. Zola-RM Bd. 3, S. 225)]


10 Euro für die CD mit allen Rougon-Macquart Bänden, da kann man nicht meckern!

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 20.04.2012, 12:50 
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Wo gibt es die CD mit den Rougon-Macquart-Bänden? Die würde ich mir gern kaufen. Was ist auf der CD? Das Buch in Textform? Oder ein Hörbuch (was bei 20 Bänden aber nicht auf eine CD passen dürfte).

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 20.04.2012, 13:12 
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http://www.amazon.de/Digitale-Bibliothe ... 835&sr=8-1

Ich hatte gestern Glück und habe eine neue für 10 plus 3 Versand kriegen können. War noch verschweißt. Aber 15 geht ja auch noch.

Karl May Gesamtwerk habe ich für 5 schießen können. Und dann noch diese Querbeet-CD Box mit allem nur möglichen Kram. Der neue kleine 14 Zoll Laptop braucht Futter.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 20.04.2012, 13:25 
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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
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Hamlet hat geschrieben:
http://www.amazon.de/Digitale-Bibliothek-128-Rougon-Macquart-Windows/dp/3898538281/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1334923835&sr=8-1


Danke, hab grade noch das letzte Exemplar für 10 Euro ergattert und bestellt. Meine Eltern haben diese Ausgabe (Übersetzung von Rita Schober) als gebundene Bücher, alle 20 Bände komplett. Ich hab die Rougon-Macquart komplett gelesen, als ich etwa 17 war, vor ein paar Jahren hab ich mir die Bücher von meinen Eltern ausgeliehen und sie alle noch einmal gelesen. Ich freu mich, dass ich die Bücher jetzt bald auch digital habe. :yes:

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 20.04.2012, 14:17 
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Wir haben nicht alle Zola Bände hier stehen, nur eine kleine Auswahl. In den 70ern war Zola mal sehr populär, wurde viel verkauft damals. Dostojewski ja auch.

Die digitale Version ist für mich auch nur zum "ranlesen", wirklich alles durchlesen werde ich damit nicht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 20.04.2012, 17:58 
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Sollte ich die Rougon-Macquart noch mal lesen, werde ich auch nicht mehr alle Bände lesen, sondern nur die besten. Die Bände sind sehr unterschiedlich in ihrem Charakter. Am besten gefallen mir: Das Werk (eine sehr eindrucksvolle Schilderung der Geschichte der impressionistischen Malerei), Der Bauch von Paris, Der Totschläger, Paradies der Damen, Germinal, Die Erde, Das Tier im Menschen und noch einige andere. Lohnt sich zu lesen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 20.04.2012, 18:19 
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Kapitel I

Denise war zu Fuß vom Bahnhof Saint-Lazare gekommen, wo sie und ihre Brüder nach einer auf der harten Bank eines Wagens dritter Klasse verbrachten Nacht einem Zug aus Cherbourg entstiegen waren. Sie hielt Pépé an der Hand, und Jean folgte ihr, alle drei waren erschöpft von der Reise, verwirrt und wie verloren in dem riesigen Paris, blickten an den Häusern empor und fragten an jeder Straßenkreuzung nach der Rue de la Michodière, in der ihr Onkel Baudu wohnte. Doch als sie endlich auf den Place Gaillon gelangten, blieb das junge Mädchen plötzlich überrascht stehen.
»Oh!« sagte sie. »Sieh doch nur, Jean!«
Und wie angewurzelt standen sie da, eng aneinandergeschmiegt, ganz in Schwarz, da sie die alte, beim Tode ihres Vaters angeschaffte Trauerkleidung auftrugen. Denise, recht schmächtig für ihre zwanzig Jahre und von dürftigem Aussehen, hatte ein leichtes Bündel im Arm, während sich ihr fünfjähriges Brüderchen an ihren anderen Arm gehängt hatte und ihr der große Bruder in der blühenden Kraft seiner sechzehn Jahre, mit den Händen schlenkernd, über die Schulter sah.
»Weiß Gott«, fing sie nach einem Weilchen wieder an, »das ist einmal ein Laden!«

Es war ein Modewarenhaus an der Ecke der Rue de la Michodière und der Rue Neuve-Saint-Augustin, dessen Auslagen in dem milden und bleichen Licht des Oktobertages in lebhaften Tönen erstrahlten. Von der Saint-Roch-Kirche schlug es acht Uhr, auf den Gehsteigen sah man einstweilen nur das Paris der Frühaufsteher: die Angestellten, die in ihre Büros gingen, und die Hausfrauen, die von Laden zu Laden liefen. Vor dem Eingang standen auf einer Stehleiter zwei Kommis und hängten noch Wollwaren aus, indes in einem Schaufenster an der Rue Neuve-Saint- Augustin ein anderer Kommis kniete, den Rücken der Straße zugewandt, und sorgfältig ein Stück blauen Seidenstoff in Falten legte. Drinnen im Laden, in dem noch keine Kunden waren und dessen Personal gerade erst eintraf, summte es wie in einem erwachenden Bienenstock.
»Alle Wetter«, sagte Jean, »da kann sich Valognes verkriechen ... So schön war deiner nicht.«
Denise nickte. Sie hatte dort zwei Jahre bei Cornaille, dem ersten Modewarenhändler der Stadt, verbracht, und dieses Geschäft hier, das so plötzlich vor ihr aufgetaucht war, dieses für ihre Begriffe ungeheuer große Haus, verursachte ihr Beklemmungen, hielt sie im Bann, aufgeregt, voller Interesse, alles übrige vergessend. An der nach dem Place Gaillon zu gelegenen stumpfen Ecke reichte die hohe, von oben bis
unten verglaste Eingangstür zwischen verschlungenen, reich vergoldeten Ornamenten bis zum Zwischenstock. Zwei allegorische Figuren, zwei lächelnde Frauen, entrollten, den nackten Busen vorgestreckt, das Firmenschild »Paradies der Damen«. Dann zog sich die Rue de la Michodière und die Rue Neuve- Saint-Augustin entlang eine Reihe von tiefen Schaufenstern, sie nahmen außer dem Eckgebäude noch vier weitere Häuser, zwei links und zwei rechts von jenem, ein, die erst kürzlich hinzugekauft und eingerichtet worden waren. Das alles war, mit den Auslagen im Erdgeschoß und den Spiegelglasscheiben im Zwischenstock, hinter denen man das ganze Tun und Treiben in den Verkaufsräumen sah, in der perspektivischen Flucht von einer Weiträumigkeit, die dem jungen Mädchen unendlich vorkam. Oben spitzte ein in Seide gekleidetes Fräulein einen Bleistift an, während zwei andere neben ihr Samtmäntel auslegten.
»Paradies der Damen«, las Jean mit seinem zärtlichen Lächeln eines hübschen Jünglings, der in Valognes bereits etwas mit einer Frau gehabt hatte. »Das ist nett, nicht? Das muß ja die Leute anziehen!«
Aber Denise stand noch immer ganz versunken vor der Auslage am Haupteingang. Dort gab es im Freien, bis auf den Bürgersteig hinaus, ganze Haufen billiger Waren, die Verlockung zum Eintreten, die Gelegenheit zu wohlfeilen Einkäufen, die aus Vorübergehenden Kundinnen macht. Oben nahm es seinen Anfang, Bahnen von Wollstoffen und Tuchen, Merino, Cheviot, Molton, senkten sich, flatternd gleich Fahnen, vom Zwischenstock herab, und die neutralen Farbtöne, Schiefergrau, Marineblau, Olivgrün, wurden von den weißen Zetteln der Preisschilder unterbrochen. An den Seiten hingen, den Eingang rahmend, auf die gleiche Weise Fellstücke, schmale Streifen für Kleiderbesatz, das zarte Aschgrau der Fehrücken, der reine Schnee des Schwanenpelzes, unechter Hermelin und Marder aus dem Haarkleid der Kaninchen. Unten gab es dann in Regalen und auf Tischen zwischen Stapeln von Stoffresten eine Überfülle von Wirkwaren, die zu Spottpreisen verkauft wurden, aus Wolle gestrickte Handschuhe und Busentücher, Kapuzen, Westen, eine ganze Auslage von Wintersachen in buntscheckigen Farben mit Flammenmustern, Streifen und blutroten Flecken. Denise sah einen schottisch karierten Wollstoff zu fünfundvierzig Centimes, Boas aus amerikanischem Nerz zu einem Franc und Fausthandschuhe zu fünf Sous. Es war eine riesige Schaustellung wie auf einem Jahrmarkt, der Laden schien zu bersten und auf die Straße zu schütten, was er nicht mehr fassen konnte.


[Émile Zola: Paradies der Damen. Emile Zola: Die Rougon-Macquart,
(vgl. Zola-RM Bd. 11, S. 6-7)]

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 21.04.2012, 10:09 
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Dieses Verwaltungsprogramm für die DigiBib werde ich wohl auch kaufen müssen. Das Scheibenwechseln nervt doch ziemlich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 21.04.2012, 10:13 
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Kapitel I

In einer sternenlosen, tintig finsteren, undurchdringlichen Nacht ging über die kahle Ebene die zehn Kilometer schnurgerade durch die Rübenfelder von Marchiennes nach Montsou sich dahinziehende Landstraße entlang ein einsamer Mann. Nicht einmal den schwarzen Roden vor sich konnte er erkennen, und den unermeßlichen, flachen Horizont ließ ihn nur das Wehen des Märzwindes ahnen, der wie über einem Meer in gewaltigen, beim meilenweiten Jagen über Sümpfe und nackte Äcker eisig gewordenen Böen daherfegte. Kein Schatten eines Raums fleckte den Himmel, das Pflaster zog sich hin, gradlinig wie ein Hafendamm, inmitten der blind machenden, dichten Finsternis.

Gegen zwei Uhr war der Mann von Marchiennes aufgebrochen. Er wanderte dahin mit lang ausgreifendem Schritt, fröstelnd in seiner dünnen baumwollenen Jacke und seiner Manchesterhose. Ein kleines Paket, in ein kariertes Taschentuch geknüpft, behinderte ihn sehr; er preßte es an sich, bald mit dem einen Ellbogen, bald mit dem anderen, um seine frostklammen, von dem scharfen Ostwind wundgebissenen Hände, beide zugleich, tief in die Taschen stecken zu können. Ein einziger Gedanke beschäftigte seinen Kopf, den Kopf eines stellungs- und obdachlosen Arbeiters: die Hoffnung, daß die Kälte nach Tagesanbruch weniger heftig sein werde. Eine Stunde mochte er so dahingeschritten sein, als er, zwei Kilometer von Montsou entfernt, zur Linken rote Feuer erblickte, drei Kohlenbecken, die unter freiem Himmel brannten und gleichsam in der Luft zu hängen schienen. Zunächst zögerte er, von Furcht ergriffen; dann konnte er dem schmerzhaften Verlangen nicht widerstehen, sich einen Augenblick die Hände zu wärmen.

Ein tiefer Hohlweg führte dorthin, der dem Wanderer jeden Ausblick versperrte. Rechts von dem Mann erhob sich eine Holzwand, eine Art Mauer aus dicken Planken, die einen Schienenweg abschloß, während links eine Grasböschung anstieg, überragt von den undeutlichen Umrissen einzelner Giebel, den verschwommenen Konturen eines Dorfes mit niedrigen, gleichförmigen Dächern. Er ging ungefähr zweihundert Schritt weiter. Plötzlich kamen bei einer Wegbiegung die Feuerbrände ganz in seiner Nähe wieder zum Vorschein, ohne daß er eigentlich begriff, warum sie gleich dunstigen Monden so hoch am toten Himmel glühten. Doch zu ebener Erde zog jetzt ein anderer Anblick seine Aufmerksamkeit auf sich: eine plumpe Masse, ein gedrungener Haufen von Gebäuden, aus dem der Schattenriß eines Fabrikschlotes aufragte. Spärlicher Lichtschein drang durch schmutzige Fenster. Fünf, sechs trübselige Laternen hingen außen an Balken, deren verschwärztes Holz sich zu den unbestimmten Umrissen riesiger Gerüste aneinanderreihte. Und aus dieser in Nacht und Qualm getauchten phantastischen Erscheinung stieg ein einziger Laut auf: das starke, lange Atmen eines unsichtbaren Dampfablaßrohres.

Jetzt erkannte der Mann, daß es eine Kohlengrube war. Wieder kam ihm seine Lage beschämend zum Bewußtsein. Was sollte ihm das schon nützen? Er würde ja doch keine Arbeit kriegen! Anstatt sich den Gebäuden zuzuwenden, klomm er schließlich auf gut Glück die Halde hinauf, auf der in eisernen Körben die drei Feuer brannten, um den Leuten bei der Arbeit Licht und Wärme zu geben. Die mit dem Abtragen der Erdmassen beschäftigten Arbeiter mußten bis in die Nacht hinein am Werk gewesen sein, denn noch immer wurde überflüssiger Abraum herausgeschafft. Er hörte jetzt, wie die Anschläger an der Hängebank die Züge über die Gerüste schoben, und unterschied Schatten, die sich bewegten und bei jedem der Feuerbrände die Wagen abkippten.
»Guten Morgen!« sagte er, während er auf einen der Feuerkörbe zutrat.

[Émile Zola: Germinal. Emile Zola: Die Rougon-Macquart, S. 8567
(vgl. Zola-RM Bd. 13, S. 6)]

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 21.04.2012, 17:53 
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Hamlet, vielen, vielen Dank für den Tipp mit den Rougon-Macquart. Ich habe die CD heute bekommen. Klasse! jetzt habe ich alle 20 Bände digital!!! Und alles für den sensationellen Preis von 10 Euro plus 3 Euro Versandkosten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 21.04.2012, 18:11 
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Ich sehe gerade, bei Gutenberg ist auch so einiges von Zola zu haben:

http://gutenberg.spiegel.de/autor/663

Vielleicht ist die CD unter anderem deshalb so preiswert geworden? Natürlich spielt da auch die Marktsättigung eine Rolle, irgendwann kriegt man die Scheiben quasi geschenkt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 21.04.2012, 19:03 
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Oh, interessant. Danke für den Link!

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 21.04.2012, 19:18 
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Gutenberg ist nicht so schön lesbar. Ist irgendwie zu "bürohaft".

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 21.04.2012, 19:34 
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Hamlet hat geschrieben:
Gutenberg ist nicht so schön lesbar. Ist irgendwie zu "bürohaft".

Hab gerade das gleiche gedacht. Der Text der "Digitalen Bibliothek" (Zola, herausgegeben von Rita Schober) ist poetischer. Hier ein Vergleich (aus dem 1. Kapitel "Das Glück der Familie Rougon"):

Gutenberg:
Das blühende, reich sprießende Leben der Gräser und Bäume hatte bald den Tod des ehemaligen Kirchhofes von Saint-Mittre bewältigt. Der menschliche Moder wurde gierig von den Blumen und Früchten aufgesogen, und kam man an diesem Orte vorbei, so spürte man nur mehr den scharfen Duft der wilden Nelken. Wenige Sommer hatten dies zustandegebracht.
Grauenhaft, man versteht zum Teil nicht mal, was gemeint ist. Man könnte fast denken, das ist das Werk eines Übersetzungsprogramms.

Hier der gleiche Text aus der Digitalen Bibliothek:
Bald hatte das üppige Leben der Gräser und Bäume alle Leichen in dem ehemaligen Saint-Mittre-Friedhof aufgezehrt, gierig wurde alles, was vom Menschen verwest, von den Blumen und Früchten aufgesogen, und so kam es, daß man schließlich nur noch den durchdringenden Duft der wilden Levkojen verspürte, wenn man an dieser Faulgrube vorüberging. Das war das Werk weniger Sommer gewesen.

Trotzdem danke für den Link.

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 Betreff des Beitrags: Re: Buch
BeitragVerfasst: 22.04.2012, 12:22 
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So meinte ich das nicht, ich meinte das rein visuell. Gutenberg sieht aus wie im kaufmännischen Büro getippte Seiten. DigiBib sieht aus wie Buch.

Die extreme Abweichung der Übersetzung ist ja direkt erschreckend!

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