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Das Bügeleisen
Es war einmal ein Bügeleisen -
eins für zu Hause, nicht zum Reisen -
nicht mehr ganz neu, doch gut in Schuss,
wie objektiv man sagen muss.
In einer großen Wäscherei
stand jahrelang es an Brett drei
und hat mit Ausdauer und Kraft
sein Tagespensum weggeschafft.
Doch wird, wenn man´s genau betrachtet,
nicht jede Arbeit gleich geachtet!
Dem Bügeleisen wurde klar,
dass es nicht ganz zufrieden war....
" Die Arbeit hier wird mir zum Krampf",
sprach´s und ließ ein bisschen Dampf,
" die Aussicht, täglich gleich gestaltet,
mein Bügelbrett, total veraltet,
sogar die Büglerin desgleichen -
ich muss von diesem Platze weichen.
Denn dies ist wirklich nicht mehr meins!"
Und es bewarb sich um Brett eins.
Da dieses zufällig grad frei
empfand man in der Wäscherei
den Wechsel direkt optimal!
Ersparte man doch in dem Fall
den Kauf sich eines neuen Eisens
sowie den Akt des Einzuweisens...
Ein Wäschekorb, gefüllt randvoll,
an dem es sich beweisen soll,
wird eilends zu ihm hingebracht,
weil Arbeit ja erst glücklich macht!
Darin liegt, kunterbunt verschlungen,
die Wäsche - grad frisch ausgewrungen:
Ein Kindersocken, blau gestreift,
doch in der Form voll ausgereift,
streckt keck die Zehen in die Höhe,
damit er alles besser sähe.
Das Bügeleisen dampft und zischt,
schon hat den Socken es erwischt -
bevor der sich versehen hat,
liegt er am Stapel, still und glatt.
Ein Herrenhemd, nicht mehr ganz jung,
wird nun mit elegantem Schwung
von seinen Falten rasch befreit,
auch wenn es laut um Hilfe schreit.
Doch die Erfahrung zeigt sich jetzt:
Ein bisschen hat´s sich widersetzt -
die kleinen Fältchen da am Kragen,
will es fortan mit Stolz ertragen!
Ein Damenblüschen, sportlich frisch,
kommt danach auf den Bügeltisch.
Zwar zeigt sofort es die Manschetten,
die gerne etwas Stärke hätten -
dies aber will dem Bügeleisen
sich nicht als notwendig erweisen.
Es steigert seine Temp´ratur,
das scheint die angemess´ne Kur.
Das Damenblüschen aber hat
nichts mehr zu sagen - es ist platt!
Im Korb erhebt sich nun ein Brummeln:
Kann man hier nicht ein bisschen schummeln?
Ein Handtuch, welches meist beim Sport,
stiehlt sich als erstes heimlich fort.
Jedoch ein Tischtuch aus Damast
verheddert sich in seiner Hast -
am Bügelbrette festgebannt
wird es geplättet bis zum Rand!
Der Rest im Korb, er schweigt ergeben,
lässt so sich dann nach oben heben
und endet glatt und ohne Makel
nach kurzem schon auf seinem Stapel.
Das Bügeleisen spricht voll Freude:
" Da hab ich was geleistet heute!"
Erfolgreich war ja in der Tat,
dass es das Brett gewechselt hat.
Ein jedes Teil, dem Korb entnommen,
hat von ihm seinen Platz bekommen!
Auch in der Wäscherei sieht man
voll Freude das Ergebnis an:
Der Wechsel ist, genau genommen,
für uns gerade recht gekommen!
Wie aber geht´s den Wäschestücken,
die sich dort platt zusammendrücken?
Der Socken schnieft leis´ vor sich hin.
Das Blüschen schluckt an seinem Grimm.
Das Herrenhemd denkt voller Stolz:
"Ich hab noch Fältchen, doch was soll´s!"
Das Tischtuch zieht sich stark zurück
und nur das Handtuch strahlt vor Glück!
Die Unterhosen, Bettbezüge,
die Taschentücher zur Genüge,
die Unterhemden, Küchentücher,
die Staublappen selbst für die Bücher -
sie alle sind zwar außen glatt,
doch insgeheim im Innern hat
ein jedes sich schon aufgeregt
und fühlt sich nicht so gut gepflegt....
Auch herrschte in der Wäscherei
seit Jahren schon dies Einerlei:
In jedem Stück ist, wie man weiß,
ein Zettel, ob lauwarm, ob heiß,
ob trocken oder aber feucht
die beste Pflege wird erreicht.
Und manche Stücke sind dabei,
die sind ja sogar bügelfrei....
Darauf wurde noch nie geachtet!
Ein jedes Teil stets so betrachtet,
als ob verschiedene Gewebe
es in dem Stapel gar nicht gäbe!
So konnte ja das Bügeleisen
auch gar nichts anderes beweisen -
in bester Absicht dampfte, zischte
es über alles und erwischte
dabei natürlich manches Stück,
das angesengt blieb nun zurück!
Mit Bügelwäsche ist es eben
wie häufig sonst auch so im Leben:
Mit Eifer macht der eine glatt,
was er als Zielvorstellung hat.
Der andre aber, der geplättet,
sich rasch in eine Ecke rettet,
in der er schmollt und grollt und spuckt,
statt dass er offen mal aufmuckt!
Ein Bügeleisen funktioniert,
wenn man es richtig temperiert.
Die Temperatur vorzugeben
bestimmt, ganz wie im richtigen Leben,
das Wäschestück durch sein Verhalten -
dies muss beharrlich es gestalten!
Zeigt es sich dabei pflegeleicht,
hat es schon einiges erreicht:
Dabei wird Energie gespart,
Zielsetzungen werden verpaart,
die Lebensdauer wird gestreckt,
Missstände werden aufgedeckt,
Hinhörenkönnen wird gepflegt
und keiner mehr vom Brett gefegt!
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