Ich find das sooo interessant! Man denkt immer so banal, dass man entweder normal hören kann oder eben gar nichts. Dass es da solche "Stufen" gibt, find ich echt interessant. Also sehr wohl Geräusche und so hören, aber keine Worte verstehen können. Wie funktioniert denn das anatomisch? Ich mein, was im Ohr fehlt, dass keine Worte verstanden werden können?
Und warum schafft das Hörgerät es technisch nicht, dass man auch Worte verstehen kann?
Vanessa hat geschrieben:Ich find das sooo interessant! Man denkt immer so banal, dass man entweder normal hören kann oder eben gar nichts. Dass es da solche "Stufen" gibt, find ich echt interessant. Also sehr wohl Geräusche und so hören, aber keine Worte verstehen können. Wie funktioniert denn das anatomisch? Ich mein, was im Ohr fehlt, dass keine Worte verstanden werden können?
Und warum schafft das Hörgerät es technisch nicht, dass man auch Worte verstehen kann?
Ein Hörgerät kann es net schaffen, aber der Mensch... bei mir war halt vieles net möglich, halt nur das Sprechen, Lippenablesen und ein paar Geräusche trainieren, damit ich sie erkennen kann. Ich bin offiziell hochgradig schwerhörig, d. h. für mich resthörig... Stell dir vor, ich habe meine Hörgeräte raus und du würdest mit deinem Mund ganz nah am Ohr sein, dann sagst du laut "Buh". Für mich ist das n erschreckender "Schmerz"...
Vanessa hat geschrieben:Ich find das sooo interessant! Man denkt immer so banal, dass man entweder normal hören kann oder eben gar nichts. Dass es da solche "Stufen" gibt, find ich echt interessant. Also sehr wohl Geräusche und so hören, aber keine Worte verstehen können. Wie funktioniert denn das anatomisch? Ich mein, was im Ohr fehlt, dass keine Worte verstanden werden können?
Und warum schafft das Hörgerät es technisch nicht, dass man auch Worte verstehen kann?
Ich hab mal gelesen, dass die Fähigkeit zur Spracherkennung ab nem gewissen Alter beendet ist. Bereits im Mutterleib hört das Kind Laute und erkennt nach der Geburt angeblich sogar schon, ob in seiner Muttersprache gesprochen wird. Bei der Geburt können alle (hörenden) Babys alle Laute erkennen und später dann nachahmen. Also egal, ob chinesisch, deutsch, finnisch... Wenn das Kind älter wird, kann es nur noch die Laute seiner Muttersprache sicher unterscheiden und sprechen. Alle anderen Laute werden verlernt. Wenn also Blümchen als Baby die Laute nicht gehört hat, kann sie die jetzt, mit einem besseren Hörgerät, nicht mehr erlernen. Im Gegensatz zu einem Hörbehinderten, der erst später schwerhörig geworden ist.
Ein Hörgerät kann nur die Geräusche an sich verstärken, es ist nichts weiter als ein Mikrophon und Lautsprecher auf sehr kleinem Raum. Es sitzt hinter dem Ohr (was eine Lokalisierung des Gespräches erschwert, da normalerweise die Ohrmuschel die Geräusche ortskodiert, ich weiß oft nicht, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt) und die verstärkten Geräusche werden ins Innenohr transportiert. Beim Gänseblümchen und mir handelt es sich aber wohl um eine INNENOHRschwerhörigkeit, d.h. bloße Verstärkung reicht nicht aus, sondern an den Hörzellen oder am Hörnerv selbst liegt die Schädigung, und das kann ein Hörgerät nicht ersetzen, und sei es noch so gut. Bei nicht so ausgeprägter Altersschwerhörigkeit z.B. sind die Sinneszellen und der Nerv intakt, hier wird nur eine stärkere Reizübermittlung im MITTELohr benötigt, da kann ein Hörgerät gute Dienste leisten. Trotzdem sind Gänseblümchen und ich mit den Geräten besser dran als ganz ohne, weil wenigstens eine gewisse Geräuschlautstärke gewährleistet werden kann. Dennoch klappt Lautsprache hören nur in Verbindung mit dem Lippenablesen. Dreht sich jemand weg oder hat die Hand vor dem Mund beim Reden sind wir völlig aufgeschmissen. Das gilt auch für Leute mit mächtigem Um-den-Mund-Bartwuchs, der die Lippen überwuchert und ein Ablesen erschwert/unmöglich macht.
Schade, dass man in der Schule nicht auch Gebärdensprache lernt. Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens schwerhörig werden, bei den meisten passiert es auch. Viele Jugendliche, die ihren mp3-Player auf volle Pulle drehen, werden früher oder später schwerhörig werden. Auch durch verschiedene Krankheiten kann man sein Gehör verlieren. Meine Schwiegermutter z.B. war altersschwerhörig, sie hat immer weniger gehört. Die Unterhaltungen mit ihr waren für alle Beteiligten eine einzige Qual, da sie nicht von den Lippen lesen konnte. Kann man in dem Alter wohl auch nicht mehr lernen. Toll wäre es, wenn man dann auf die Gebärdensprache zurückgreifen könnte. Nur - man müsste es eben gelernt haben.
Außerdem wäre es auch für Hörende in manchen Situationen ganz hilfreich, ohne Worte auszukommen. Z.B. in Restaurants mit hohem Lärmpegel oder wenn man am Tisch weit auseinander sitzt. Hören kann da auch ein Hörender nicht mehr, was gesprochen ist. Aber mit Gebärden - das würde klappen.
Es wär auch schon toll, wenn die Untertitelung von Fernsehsendungen so laufen würde wie in USA: Dort kommen die Untertitel für ALLES, was im TV läuft, per Satellit direkt aus dem National Caption Institute. Komischerweise klappt das auch mit sogenannten closed captioned DVDs, wenn man die einlegt, gibts auch aus dem Fernseher die UT dazu, also man muß nichtmal die auf der DVD einschalten! Leider haben viele deutsche DVD-Herausgeber die Möglichkeit der UT auf DVDs offenbar nicht nicht geschnallt, ich hab keine Ahnung, wieso so viele gute deutsche Filme auf DVD OHNE UT-Spur angeboten werden, z.B. Das Leben der Anderen, oder Sommersturm, beides Filme, die ich gern gesehen hätte. Informationen zu Closed Captions im NTSC-Format gibts hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Closed_captions
Diavolezza hat geschrieben:Danke für die Infos, lieber Bua!
Schade, dass man in der Schule nicht auch Gebärdensprache lernt. Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens schwerhörig werden, bei den meisten passiert es auch. Viele Jugendliche, die ihren mp3-Player auf volle Pulle drehen, werden früher oder später schwerhörig werden. Auch durch verschiedene Krankheiten kann man sein Gehör verlieren. Meine Schwiegermutter z.B. war altersschwerhörig, sie hat immer weniger gehört. Die Unterhaltungen mit ihr waren für alle Beteiligten eine einzige Qual, da sie nicht von den Lippen lesen konnte. Kann man in dem Alter wohl auch nicht mehr lernen. Toll wäre es, wenn man dann auf die Gebärdensprache zurückgreifen könnte. Nur - man müsste es eben gelernt haben.
Außerdem wäre es auch für Hörende in manchen Situationen ganz hilfreich, ohne Worte auszukommen. Z.B. in Restaurants mit hohem Lärmpegel oder wenn man am Tisch weit auseinander sitzt. Hören kann da auch ein Hörender nicht mehr, was gesprochen ist. Aber mit Gebärden - das würde klappen.
Doch Dia, man lernt auch die Gebärdensprache in einer Schule und zwar in der Gehörlosenschule. Aber sie lernen dann net sprechen, sondern gebärden...
Dia meinte sicher Gebärdensprache in Allgemeinbildenden Schulen als Fach anzubieten. Ich muß sagen, an ihren Argumenten ist was dran... Aber ein bißchen zynisch ist es auch: Mutter: "Was habt ihr denn heute in der Schule gemacht?" Sohn: "Gebärdensprache gelernt, damit wir noch miteinander reden können wenn uns die Kopfhörer taub gemacht haben"
MünchnerBua hat geschrieben:Dia meinte sicher Gebärdensprache in Allgemeinbildenden Schulen als Fach anzubieten. Ich muß sagen, an ihren Argumenten ist was dran...
Ja, so hab ich's gemeint. Dass auch die Hörenden schon in der normalen Grundschule die Gebärdensprache lernen.
MünchnerBua hat geschrieben:Aber ein bißchen zynisch ist es auch: Mutter: "Was habt ihr denn heute in der Schule gemacht?" Sohn: "Gebärdensprache gelernt, damit wir noch miteinander reden können wenn uns die Kopfhörer taub gemacht haben"
Wie klappt denn das von den Lippen Ablesen, wenn Menschen den Mund beim Sprechen fast geschlossen halten? Das nervt mich schon als Hörende enorm und ich stelle es mir sehr anstrengend vor, da noch von den Lippen abzulesen. Bei der Fernseh"diskussion" Merkel/Steinmeier habe ich daran gedacht, als mir der meist kaum geöffnete Mund von Steinmeier wieder so unangenehm aufgefallen ist. (Wieso ihn seine Berater gerade im Wahlkampf nicht darauf aufmerksam machen, ist mir schleierhaft.)
Ja ich glaube die arbeiten mit Worterkennung, manchmal schreiben sie Worte, die ähnlich anfangen, aber einen ganz anderen Sinn haben.... da muß man beim Lesen schon ein bissl filtern. Auch andere Fehler, Lücken, zu schneller Wechsel sind häufig. Dies tritt meist bei live untertitelten Sendungen wie Nachrichten und eben dem Kanzlerduell berstärkt auf, daran müssen die Sender noch arbeiten.
Also live untertiteln, das ist ja wahnsinnige flotte schwere Arbeit.. oder Also, ich weiß gar net, wie schnell ein Mensch, der 10-Finger-Schreiben kann, tippen kann... In der Berufsschule gabs immer ein "Wetttippen" in Textverarbeitung... Den Text innerhalb 10 Minuten fehlerfrei abtippen... oha.. also, ich blieb immer am letzten Text hängen... musste dauernd korrigieren....
Und beim Sender müssen sie so schnell wie möglich fehlerfrei tippen... Einfach unvorstellbar....
Siri hat geschrieben:Sind ja tolle Leistungen - sowohl das Tippen als auch das Verstehen, wenn die Untertitelung nicht so ganz klappt.
Du hast bestimmt ne DVD mit UT, oder? Guck mal nach, ob bei einer von denen steht: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, usw. Wenn du sone hast, dann gucke beide UTs an und vergleiche sie mal!!! Deutsch UND Deutsch für Hörgeschädigte Erstatte mir dann kurz Bericht, was du dazu sagst!
Gänseblümchen hat geschrieben:Also live untertiteln, das ist ja wahnsinnige flotte schwere Arbeit.. oder Also, ich weiß gar net, wie schnell ein Mensch, der 10-Finger-Schreiben kann, tippen kann... In der Berufsschule gabs immer ein "Wetttippen" in Textverarbeitung... Den Text innerhalb 10 Minuten fehlerfrei abtippen... oha.. also, ich blieb immer am letzten Text hängen... musste dauernd korrigieren....
Und beim Sender müssen sie so schnell wie möglich fehlerfrei tippen... Einfach unvorstellbar....
Dafür, dass die das gelernt haben und dafür bezahlt werden, ist die Fehlerquote exzessiv hoch! ICH kann mir bei meiner Arbeit soviel Schlampigkeit nicht leisten!